Ruhr-Nachrichten / März 2000

Morus Scholl will in Formel 1 einsteigen

Vor dem Bundesliga-Aufstiegsjahr betreute Masseur Scholl die Wattenscheider Fußball-Profis und parallel dazu auch die Leichtathleten.

Im elften Jahr steht er in Wattenscheid fast nur für die Leichtathleten und die Aktiven des Olympiastützpunktes zur Verfügung. Der selbstständige 38-jährige hat sich aber im Laufe der Zeit einen Namen in der Mototesportszene gemacht.

Als Porsche-Fan schaute er vor Jahren im Zentrum in Leverkusen vorbei:"Wie das so ist, man kommt ins Gespräch." Das dortige ROOCK-Racing Team verpflichtete den Wattenscheider und los ging es mit den Fernreisen, vor allem in die USA. Das Leverkusener Team fährt unter dem Dach der FIA (Motorsport-Weltverband) und startete in der GT II-Meisterschaft. Vornehmlich die Langstrecke wird gefarhen, Distanzen zwischen 500 und 1000 Kilometern. 500 bis 700 PS haben die schweren Geschosse unter der Haube und stehen der Formel 1 unter fahrtechnischen Gesichtspunkten kaum nach. Als Sprungbrett für die Königsklasse wird diese Serie angesehen und Ralf Schumacher hat sich über die GT II-Klasse ind die GT I vorgearbeitet, und danach war er Formel 1 Fahrer.

Silverstone, Dijon, Suzuka, Nürburgring, Oschersleben, Languna Seca, Homestead, Le Mans, Sebring, oder Daytona sind Orte, die Morus Scholl kennt und die ihn fordern. Beim letzten 24 Stunden Rennen war er knappe 40 Stunden im Einsatz: "An Schlaf war für mich nicht zu denken." Erstmals betreute er das japanische Team "Spoon Racing" und das Zakspeed-Team aus Soltau. Da sprang er von Box zu Box und arbeitet seine Notizen ab. "Ich habe mir vorher gedanken gemacht, wann wer was zu trinken bekommt. Ich hab auch die Mahlzeiten zusammengestellt und vor allem für reichlich Augentropfen gesorgt, die ich ständig griffbereit habe." Bei jedem Boxenstopp spülte er die Augen der Fahrer: "Mann kann sich kaum vorstellen was sich da für ein Dreck ansammelt. Die Tropfen regen den Tränenfluss an."

Massagen sind seine Stärke und da kommt es vor, dass er sich einen Fahrer auch mal auf dem freien Feld schnappt und durchknetet: "Nicht überall hat man den Komfort einer eigenen Box mit ausreichendem Platz oder einem Materialwagen." Rückenpartien sind es, die die starken Hände von Morus Scholl benötigen, aber auch Schultern und sehr oft der rechte Arm des Fahrers - der Schaltarm. Zusätzlich werden Hände und Finger verbunden, um ihnen Halt zu geben.

Amerika ruft wieder, denn die neue ALMS-Veranstaltungs-Reihe (Amerika-Le Mans-Serie) ist eine Herausforderung. 30 bis 40 Fahrzeuge sind am Start und fast ausschließlich Profis, die nach Europa-Einsätzen in Amerika an die Geldtöpfe wollen. Am Samstag ist Morus Scholl auf dem Nürburgring mit dem Porsche-Team aus Leverkusen und dem Chrysler-Viper-Team aus Soltau am Start, wenn die AMLS ihre Punkte verteilt. Als drittes Team hat sich Car-Sport, Eindhoven, angemeldet. Morus Scholl: "Meine Termin- und Ablaufpläne liegen bereit und die Rundumbetreuung ist für alle gewährleistet."

Obwohl er seinen Beruf mit seinem Hobby kombinieren kann, hat er doch noch einen Wunsch: "Die Teilnahme an einem Formel 1-Rennen wäre ein Traum. Wenn man dabei ist, dann kann man sich nur um seinen Stall kümmern und das dann ein Jahr rund um die Uhr." Zufälle sind es, die einem so einen Job verschaffen. Morus Scholl: "Der Physiotherapeut von Michael Schumacher kam über dessen Vater an diesen Traumjob, denn Vater Schumacher war dort in Behandlung. Und dann kan man sehr schnell auf den Punkt."

 

BU: Beim 24-Stunden Rennen von Le Mans stellten sich zum Gruppenfoto: Stephan Ortelli (von links; der Franzose holte sich an dieser Stelle vor zwei Jahren den Gesamtsieg), der Engländer Robert Nearn, der Wattenscheider Morus Scholl, die Deutsche Claudia Hürtgen und der Engländer Rob Schirle.