WAZ / Juli 2010

Das Schwitzen ruhig zulassen

Bochum. Wenn es um gesunde Bewegung geht, kennt Morus Scholl sich bestens aus. Der 48-Jährige betreut als Physiotherapeut viele Sportler, darunter die Leichtathleten des TV Wattenscheid, aber auch Hobbysportler. Ein Gespräch über den richtigen Umgang mit Hitze.

Was halten Sie von Sport bei diesem Wetter?
Bei diesen Temperaturen sollten nur die Sport machen, die ihn professionell betreiben. Für alle anderen gilt: Wer etwas für seine Gesundheit tun will, erweist sich mit Sport bei dieser Hitze einen Bärendienst. Wenn schon Sport, dann bitte frühmorgens, wenn neben den Temperaturen auch die Ozonwerte noch nicht so hoch liegen, oder spätabends. Wer mittags Ausdauersport betreibt, geht ein höheres Risiko ein.

Das gilt auch für gesunde Menschen?
Ja. Vielen wird erst bei diesem warmen Wetter gezeigt, ob sie gesund sind oder nicht. Jetzt arbeitet der Körper am Limit. Deshalb ist das A und O: Viel trinken, der Flüssigkeitsbedarf des Körpers ist in diesen Tagen doppelt so hoch. Der Körper, der seine Temperatur über das Schwitzen reguliert, wird so gekühlt.

Also ist Schwitzen gar nicht schlecht?
Genau, wir sollten in einem gewissen Maße das Schwitzen zulassen.

Was empfehlen Sie zu trinken?
Wasser, am besten kein eiskaltes, denn der Körper verbraucht sonst zu viel Energie, um die Flüssigkeit auf Temperatur zu bekommen. Wir können uns ein Beispiel an den Südländern nehmen. Sie trinken auch im Hochsommer lauwarmen Tee.

Und was halten Sie vom Schwimmen?
Sich im Wasser abzukühlen ist okay, aber in der Mittagspause 1000 Meter Schwimmen als Ausdauersport zu betreiben, ist keine gute Idee.

Bild Untertitel: Morus Scholl bei der Arbeit. Hier behandelt er kein Hitze-Opfer, sondern den Wattenscheider Profi-Läufer Jan Fitschen.